Wiki Brauchtum und Feste

Unser schönes Oldenburger Münsterland ist nicht nur landschaftlich sehr vielfältig, sondern es hat auch viele und sehr verschiedene Traditionen, Bräuche und Feste zu bieten. In diesem Online-Lexikon sammeln wir Informationen, Fotos, Geschichten und kleine Filme, um kompakt und ansprechend Interessierte zu informieren.

In der unten folgenden alphabetischen Auflistung finden Sie die bis jetzt vorhandenen Einträge, von Adventsblasen bis Wursteball. Aber das Wiki wird stetig weiterwachsen - also schauen Sie immer wieder mal vorbei, es lohnt sich!

Abtanzball

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Begriff Definition
Abtanzball

 

WAS?

Auf dem Weg zum Erwachsenenleben ist der so genannte "Abtanzball" ein erster wichtiger Schritt: Als Abschluss des ersten Tanzkurses in der örtlichen Tanzschule absolvieren Jungen und Mädchen (meist zwischen 14 und 16 Jahren) hier einen ersten gesellschaftlichen Auftritt - nicht vergleichbar mit einem Debütantinnenball wie dem Wiener Opernball aber fast. Zum ersten Mal tragen die Mädchen alle festliche Tanzkleider, tragen meist aufwendige Frisuren und Make-up, und die Jungs einen (meist dunklen) Anzug. Meist besuchen ganze Schulklassen geschlossen die Tanzkurse und lernen hier nicht nur diverse Paartänze (vor allem Disco-Fox aber auch Cha-cha-cha, Walzer, Samba u.a.) sondern auch ein paar Umgangsformen: Auffordern der Tanzpartnerin/des Tanzpartners, nach dem Tanz begleiten bis zum Platz etc. In Begleitung der Eltern wird der Ball begonnen und endet meist in einem lokalen Club in etwas lockerer Atmosphäre.

WO?

Tanzschulbälle gibt es überall, die besondere gesellschaftliche Bedeutung im Nordwesten und so auch im Oldenburger Münsterland hängt jedoch wahrscheinlich mit den diversen Feiern und Schützenfesten, Hochzeiten und anderen Anlässen zusammen, auf denen das Tanzschulwissen von Nöten ist. Insofern ist ein Besuch einer Tanzschule fast Pflichtprogramm für alle Jugendlichen.

SEIT WANN?

Tanzveranstaltungen waren schon immer ein wichtiges gesellschaftliches Element, insbesondere in ihrer Ursprungsform der französischen Hofbälle des 17. und 18. Jahrhunderts, wo es vor allem um Repräsentation und das Vorstellen, also "Sehen und gesehen werden" ging. Die bürgerliche Form der Hausbälle, die als Vorform unseres "Abtanzballs" gelten, entwickelte sich im 19. Jahrhundert und erfüllten auch die Funktion eines "Heiratsmarkts". Diese Aufgabe erfüllen die heutigen Tanzverstaltungen natürlich nicht mehr, auch wenn manches Mal darüber gescherzt wird, das aus Tanzpaaren später Ehepaare werden könnten. Mit der Entstehung und Verbreitung der Tanzschulen im Oldenburger Münsterland nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Abtanzball fest an diese gebunden. Und die ungebrochene Bedeutung kann auch daran abgelesen werden, dass die Tanzschulen in Zweigstellen auf den Dörfern unterrichten, damit die Jugendlichen nicht so weit fahren müssen - ein wichtiger Service im ländlichen Raum.